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Kastration

 

... und die Folgen und Ausirkungen auf unsere Hunde

 

 

 

Die Kastration (bei Hündinnen die komplette Entfernung der Eierstöcke und der Gebärmutter; bei Rüden die Entfernung der Hoden) ist eine der am häufigsten durchgeführte Routineoperation an unseren Hunden. In den meisten Fällen liegt für diese Totaloperation keine medizinische Indikation vor. Kastrationen ohne medizinische Indikation ist in Deutschland laut Tierschutzgesetz verboten.

 

 

 

Das Tierschutzgesetz gibt folgende Regelung vor:

 

§ 6 

 

(1) Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Das Verbot gilt nicht, wenn
1.       der Eingriff im Einzelfall
a)  nach tierärztlicher Indikation geboten ist oder
b)  bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerläßlich ist und
     tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen, (Anm. das bezieht sich nicht auf das
     Kastrieren , sondern Kupieren!)
2.       ein Fall des § 5 Abs. 3 Nr. 1, 1a oder 7 vorliegt,
3.       ein Fall des § 5 Abs. 3 Nr. 2 bis 6 vorliegt und der Eingriff im Einzelfall für die vorgesehene
          Nutzung des Tieres zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerläßlich ist,
4.       das vollständige oder teilweise Entnehmen von Organen oder Geweben zum Zwecke der
          Transplantation oder des Anlegens von Kulturen oder der Untersuchung isolierter Organe,
          Gewebe oder Zellen erforderlich ist,
5.       zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung oder - soweit tierärztliche Bedenken nicht
          entgegenstehen - zur weiteren Nutzung oder Haltung des Tieres eine Unfruchtbarmachung
          vorgenommen wird.

 

 

 

 

Leider wird vielen Hundehaltern seit Jahren weisgemacht, Ihr Rüde sei viel besser zu "händeln", wenn er denn im Alter von einem bis eineinhalb Jahren - manchmal sogar noch früher -  kastriert würde. 

Bei Hündinnen wird die Kastration pro forma empfohlen, damit das Risiko von Mamakarzinomen gesenkt wird, der Hundehalter keine "Unannehmlichkeiten" mit der  regelmäßigen Läufigkeit hat ( Tröpfeln im Haus, bequeme Urlaubsplanung, keine interessierten Rüden, etc.), und zur Vorbeugung von  Scheinschwangerschaften. Wenn man bedenkt, daß das Risiko von Mamakarzinomen nur bei einer Kastration vor der ersten Läufigkeit (siehe Frühkastration) verringert wird, das Risiko bei kastrierten Hündinnen an Herz- und Milztumoren, Knochnekrebs aber deutlich steigt - ganz zu schweigen von anderen Krebserkrankungen und Tumoren, die einen jeden Hund ereilen können, steht die Kastration aus gesundheitlicher Vorbeugung in keiner guten Relation!

Nicht erwähnt werden meistens die Nebenwirkungen einer Kastration. Zwei Prozent aller Hündinnnen werden nach einer Kastration innerhalb von zwei Jahren inkontinent. Kastrierte Rüden können sich manchmal vor lauter potenten "Verehrern" kaum retten und sind draußen ständig auf der Flucht vor Bedrängung und Aufreiten intakter Rüden. Wird der Hund kastriert, während der Hormonhaushalt gerade sehr aktiv ist, bleibt der Hund in dieser Phase sozusagen "stecken". Kein sehr angenhemer Dauerzustand. Für Hunde, die eher ängstlich, unsicher und/oder angst-aggressiv sind, gleicht eine Kastration eher einer Vollkatastrophe. Denn sie haben zum Einen keine Chance mehr, sich weiter zu entwickeln um ihre Ängste und Unsicherheiten zu überwinden, die ggf. in der Phase alterstypisch und rasseabhängig sind. Und zum Anderen verhindert das felhlende Sexualhormon (was nur noch minimal über die Nebenniere produziert wird) den Ausgleich zu anderen Hormonausschüttungen im Körper, welches wiederum zu Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensstörungen führen kann.

Das Zusammenspiel der Hormone im Körper eines potenten Rüden oder einer potenten Hündin ist sehr fein aufeinander abgestimmt und dient nicht nur der Fortplanzung , sondern hat gravierende Auswirkungen auf das Gesamtverhalten des Hundes. Die meisten Verhaltensprobleme sind ursächlich nicht auf sexuell motivierte Störungen zurückzuführen. Bestimmte unerwünschte Verhaltensweisen eines potenten Hundes lassen sich also durch eine Kastration weder vorbeugend (Frühkastration) noch überhaupt durch eine Kastration regulieren, sondern sind die Aufgabe von vernünftiger konsequenter Erziehung und auch der Akzeptanz des jeweiligen Hundehalters, daß sein Hund - wie jedes Kind auch - pubertäre Phasen durchlebt, die zur Entwicklung eines jeden Hundes entscheidend dazu gehören!

Nicht zu vergessen, daß besonders große Hunderassen sehr lange Pubertätsphasen haben und in der Regel erst mit drei bis vier Jahren physisch und psychisch erwachsen sind.

 

Seit einigen Jahren beobachte ich in meiner Hundeschule mit wachsendem Erschrecken, daß immer mehr Hundehaltern (übrigens gerne auch von Tierärzten) empfohlen wird, ihren Hund schon im beginnenden Junghundealter - also bei Hündinnen vor der ersten Hitze oder der Geschlechtsreife des Rüden - kastrieren zu lassen. Diese sogenannte Frühkastration ist ohne eine medizinische Indikation abzulehnen. Die Begründung, aus Krankheitsvorbeugung und vermeintlicher Vermeidung von Verhaltensproblemen (welche das denn auch immer sein/werden sollen!?) stehen in keiner Relation zu den physischen und psychischen Auswirkungen eines solchen Eingriffs. Die Folgen von Frühkastration sind Hunde, die in der Pubertät sozusagen "steckenbleiben" und in einem hohen Ausmaß an ihrer körperlichen Entwicklung und geistigen Ausreifung behindert werden. Diese Hunde werden i.d.R. nie richtig erwachsen. Auch die körperlichen Folgen einer Frühkastration, die gerne herunter gespielt werden, sind nicht unerheblich.  Hormone, die zu Beginn der Pubertät aktiv werden, haben einen elementaren Einfluß auf die geistige Reife, sondern auch auf das Wachstum der Knochen und das Bindegewebe. So kann es bei einem frühkastrierten Hund zu einem verstärkten Längenwachstum der Knochen kommen, Inkontinenz, Fellveränderungen (Babyfell).

 

Hätten Sie gerne ein Kind, daß aus der Pubertät nicht herauswächst und welches auf dem geistigen Niveau eines Zwölf-, Dreizehnjährigen stehen bleibt? Also ich definitiv nicht!

 

 

Die Tierschutzvereine und -organisationen befürworten die Kastration bei Tierschutzunden standardmäßig als Prävention für unkontrollierte Vermehrung und um Unfallwürfe bei vermittelten Hunden zu vermeiden. In der Regel geht kein Hund über neun Monaten unkastriert in ein neues Zuhause und auch dort werden inzwischen Frühkastrationen immer beliebter. Welches zwar einerseits verständlich ist, denn es gibt letztlich schon genügend ausgesetzte Hunde, aber andereseits erscheint es jedoch bei dem aktuellen Wissenstand über die Auswirkungen und Folgen einer Kastration eher tierschutzrelevant!

Zumal gerade bei Tierschutzhunden ihre Vorgeschichte und somit auch verhaltensrelevante Informationen oftmals nicht bekannt sind. Ebensowenig wie das genaue Alter und der Zeitpunkt der letzten Läufigkeit bei Hündinnen, welches für den richtigen Zeitpunkt einer Kastration ausschlaggebend ist.

Die Sterilisation durchaus eine Alternative um Vermehrung und Schwarzzucht vorzubeugen, und zum anderen kann man natürlich nicht jedem Adoptanten unterstellen, mit seinem Tierschutzhund widerrechtlich züchten/vermehren zu wollen. Auch die Bevormundung der Tierschutzvereine gegenüber ihren Adoptanten sollte Grenzen haben und nicht auf Kosten der Hunde gehen indem die Hunde sogar frühkastriert oder nur mit der Auflage, eine Hündin nach der ersten Läufigkeit und Rüden mit zwölf Monaten kastrieren zu lassen, abgegeben werden. Kein vernünftiger und seriöser Züchter würde seine Welpen zu solchen Konditionen ohne triftigen Grund abgeben. Stattdessen wäre Aufklärung für die Adoptanten, Nachkontrolle im neuen Zuhause oder die Auflage im Einzelfall den Hund sterilisieren zu lassen sicherlich sinnvoller und für viele Tierschutzhunde schonender.

 

 

Natürlich kann eine Kastration auch durchaus sinnvoll sein. Nämlich dann wenn eine Hündin ernsthaft unter ständigen Scheinschwangerschaften leidet, sie deutlichen Milcheinschuß hat, ggf. sogar mit Gesäugeentzündungen. Einige Hündinnen reagieren auch während der  Läufigkeiten und Scheinschwangerschaften angst-aggressiv. Ist dieses Verhalten eindeutig mit der Läufigkeit verbunden und hormonell bedingt, kann in diesem Fall ein Kastration eine Erleichterung für die Hündin sein. Ebenso wie hypersexuelles Verhalten bei Rüden, was besonders bei kleinwüchsigen Hunderassen häufiger vorkommt. Gleiches gilt für sexuell motivierte Aggressionenfür beide Geschlechter. Aber es sollte immer eine individuelle Indikation vorgenommern werden.

 

Ich selbst lebe mit zwei kastrierten Rüden, einer Kastratin und einer potenten Hündin zusammen. Bis auf mein erste Hündin Ginger und meine damals vier Monate junge Galga, kamen alle meine Hunde schon kastriert aus dem Tierschutz zu mir. Mein verstorbener Podencorüde war ein Frühkastrat, was man auch deutlich in seinem Verhalten merkte. Ginger war ein Fall von extremen Scheinschwangerschaften mit Depressionen. In ihrem Fall war die Kastration eine große Erleichterung (für uns alle).  Blanca ließ ich bewußt unkastriert, zumal sie in meiner Hundegruppe eine eher devote Position einnahm. Und es war mir eine große Freude, die Entwicklung mit zu erleben, die Blanca von Hitze zu Hitze zeigte. Sie ist heute mit fast sieben Jahren eine souveräne Hündin, die sich ihres Status bewußt ist. Hätte ich sie kastrieren lassen, wäre sie in meiner Hundegruppe untergegangen und hätte nicht ein gesundes Selbstbewußtsein entwickeln können.

 

Es sollte also dringend ein Umdenken hinsichtlich Kastrationen statt finden! Bleibt zu hoffen, daß zukünftig mehr Hundehalter, Tierärzte, Züchter und Tierschutzvereine besser abwägen werden, ob eine Kastration tatsächlich notwendig ist, im Einzelfall entschieden wird, und nicht einfach nur der (vermeintlichen) Bequemlichkeit dienen soll.

 

 

Erziehen statt kastrieren!

 
 

 

Empfehlenswerte Literatur zum Thema Kastration:

 

"Kastration beim Hund"  Dr. Gabriele Niepel, 2007 Kosmos Verlag

 

"Kastration und Verhalten beim Hund"  Sophie Strodtbeck/Udo Gansloßer, 2011 Müller Rüschlikon Verlag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

spanische-wind-und-jagdhunde.de© 2005-2013 by Kathrin Korthauer